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Warum Reisen glücklich macht

Da fährst du nach Wien. Um die Ecke, quasi. Mit einem ausgeprägten Clash der Kulturen rechnet doch nicht wirklich Einer. Aber dann passiert es doch: dann sitzt du da und beobachtest die Wiener. Wie charmant sie sind. Wie höflich. Du wirst neidisch, weil dir scheint, dass sie in einer Tour im Kaffeehaus sitzen und gepflegt ihre Melange zum Stück Sacher essen. Täglich, mindestens. 

 

 

 

 

 

Hier geht es zum Wien-Video:

Dann wirst du mit " Steffl" konfrontiert, mit "Heurigen", "Schlagobers" und "Sturm" oder "Mohnzelten". Vor vielen, vielen Jahren habe ich den ersten und leider auch den letzten Handkuss in Wien bekommen. Wieso, um alles in der Welt küsst mir in Deutschland keiner die Hand? 

Ok, dir wird klar, egal ob anderes Ende der Welt, oder nur das nächste Dorf: Reisen entdeckt Andersartigkeit. So habe ich nie darüber nachgedacht. Aber doch, überlege doch mal: wir befreiend und leicht es sich anfühlt, wenn man sich mitten in einer fremden Welt befindet? Du wirst zum Kind, darfst entdecken, neugierig sein, Fragen stellen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten feststellen. Neue Welten betreten...wenn du nur willst. Und es ist auch völlig ok.  

Und du freust dich  wie Bolle, weil du so aufgeregt bist und Neues siehst und überhaupt....ja aber echt jetzt : warum sind wir aufgeregt, wenn eine Reise ansteht? 

Irgendwie ist es mit Erleichterung verbunden, aus dem eigenen Leben kurz auszusteigen und sich in andere hinein zu stürzen. Etwas Abstand von eigenem alltäglichen Trott. Und Lust auf Neues. Lust auf Leben!

 

Wir sind toleranter, wenn wir auf Reisen Dinge sehen, die anders laufen, als wir es kennen. " Tja, die Italiener halt...die frühstücken halt nur ein Cornetto zum Caffé.  Mei, ist des niedlich. Und so schick, irgendwie."

 

Ja, und dann fährst du heim und flippst völlig aus, wenn deine Frau dir auch nur so ein spartanisches Frühstückchen servieren will. Daheim ist dann Schluss mit der Offenheit für Neues. Aber nach Italien passte es doch so gut. 

 

Wenn man reist, öffnet man sich. Man ist bereit, seinen ganz persönlichen Planeten zu verlassen und sich auch mal in anderen Galaxien umzuschauen.

Ich bin immer noch aufgeregt, wenn ich Koffer packe. Es hat sich nichts geändert. Das ist wie damals in der Schule, als wir eine Klassenfahrt gemacht haben: 3 Stationen mit dem Bus zum Museum...oder so. Aber alles kreischte wie wahnsinnig, denn, hey, es ist ein Ausflug!

 

Aber manchmal werden einem auch die eigenen Grenzen aufgezeigt. So ging es mir auch in Wien. in Wien! Grenzen? Die spinnt doch!

Also es war so: unter der Staatsoper, wenn man aus der U-Bahn-Unterwelt wieder aufsteigen will. Da gibt es eine öffentliche Toilette. Die Opera-Toilette.

Wenn man muss, meine Damen, dann betritt man eine Welt aus Mozart-Kitsch an den Wänden und jetzt kommt's: es dröhnt Wiener Walzer aus den Lautsprechern. Zum Kacken, quasi. In Endlosschleife. Ich weiss, wie wichtig eine entspannte Atmosphäre zum Entleeren des Dickdarmes ist. Aber Walzer? WTF?

 

Ich habe dieses Erlebnis nicht sofort verdaut. Da brauchte es zunächst mal einen Sturm ( Federweisen)  auf dem Naschmarkt. Ok, ich gebe es zu. Der Schock war ordentlich, ich brauchte zwei!

Danach entspannte ich mich und dachte über das Erlebte nach: Warum hat es mich so schockiert? Na ja, die Antwort hat man gleich: Meine Zentrale war nicht bereit, die verschobenen Grenzen zu akzeptieren. Vielleicht deswegen nicht, weil ich damit HIER nicht gerechnet habe. So was erlebt man vielleicht in Australien. Oder wenigstens ganz, ganz weit weg. in Bremen, oder so. Imke: möchtest du vielleicht die nordische Art des Kackens auf öffentlichen Toiletten kurz darstellen? Danke!

Also ich war zwar mit dem Körper in Wien, mit dem Kopf aber daheim auf der Couch. Zerrt mich ja nicht runter hier! Meine Couch, meine Welt. Meine Art zu kacken. Und dann: BÄM! wirst du unvorbereitet in eine andere Wirklichkeit geschleudert und machst erstmal zu. 

"Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben"?  Herr Tucholsky, Ihr Ernst? In diesem Zusammenhang? 

Ok , Herr Tucholsky, ich habe es nicht so gemeint. Sie sind schon ein feiner Kerl. Jaaha, ich gebe Ihnen doch recht. 

Reisen lässt uns wachsen. Es sei denn, da wird zum Walzer gekackt. Aber sonst, ja. Reisen lässt uns wachsen. Es lässt die Augen größer werden und füttert das Herz. Definitiv!

Und was mache ich jetzt mit meinem Wien-Trauma?

Da renne ich gegen meine Grenzen in Kopf und merke es noch nicht mal.

Wird es mir noch mal passieren? Ich weiss es nicht. Vielleicht. Ich teste es in einigen Wochen.

 

Das nächste Ziel steht schon fest.

Es geht .... nach Wien!

 

Geht auf Reisen, meine Hasen!

 

Eure, Moni.

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