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Vom Burnout in den Bikini -die Story

 

Im Dezember 2016 hörte meine Welt kurz auf, sich zu drehen. Im Dezember bin ich aus dem Hamsterrad geschleudert worden. Am 4. Dezember 2016 bat ich meinen Arzt,  mit gesenktem Kopf , mir auf die Unterlippe beißend und weinend, um Hilfe. Ich habe einen Irsinn mitgemacht und es selbst gar nicht gemerkt, wie ich mein Herz damit vergifte. In meinem Job als key account manager bin ich  täglich 1000 Km und mehr  gefahren, ich gab mir 18 Arbeitsstunden pro Tag, lebte von Montag bis Donnerstag ein  Hotelleben. Ich habe mich isoliert, mich vom Leben und von mir selbst entkoppelt. Kein Wunder, denn ausgleichendes Privatleben hatte ich praktisch keins. Wenn ich frei hatte, schlief ich. Oder ich weinte. Oder ich lag im Bett und starrte die Decke an.

 

 Keine Sorge, es geht mir wieder gut. Die akute Phase dauerte 6 Monate. Es sollten die lehrreichsten Monate meines Lebens werden. Ich grübelte pausenlos, lag nachts wach im Bett, Zuversicht und tiefste Verzweiflung über mein Elend wechselten sich  mehrmals täglich ab. Ich hatte plötzlich Zeit nachzudenken und mich neu zu sortieren. Die Prioritäten haben sich drastisch verändert, zum Glück. Den Job  habe ich gekündigt und es hat noch weitere 6 Monate gedauert, bis ich wieder die alte war.

 In dieser Zeit lernte ich, alles was mit Anstrengung und Leistung zu tun hat, zu meiden. Mein Körper, so schlau und empfindsam, hat sich gemerkt, dass Leistung gleich Stress ist. Und Stress machte mich krank. Ich habe das Muster so verinnerlicht: Anstrengung = Gefahr. Also war die Zeit nach dem Burnout vor Allem durch betontes Nichtstun begleitet. Genuss, Entschleunigung, Auf sich achten. Feste Feiern. Essen. Viel Essen.  Und gut Essen. Man will ja wieder genießen, nicht? :-) Mein Gott, was habe ich das Leben genossen? Nach dem Winter  kam  der Sommer meines Lebens. Ich füllte die Tage mit genussvollem  Essen, Tanzen, ich lag in der Sonne, bin im See geschwommen. Traf mich mit Freunden.  Das Leben war wieder wunderschön für mich. Ich erlebte alles wie in Zeitlupe. Das war wie Werbung auf Glückseligkeit.

 

 Du ahnst bestimmt schon, was passiert ist:

 

 Klar, ich hatte Spaß und hoppelte von Party zu Party. Auch wenn ich es lange nicht wahrhaben wollte: irgendwann passte  die weiteste Hose nicht mehr. Ich vertilgte Portionen, die jeden Bauarbeiter in die Knie zwingen würden. Und das alles unter dem Deckmantel der "anti-Burnout-Einstellung": schöööön genießen und jaaa nichts machen, was dich anstrengt! ich wurde immer fauler, immer dicker und immer unzufriedener. Zum Verständnis: ein Muskelpaket, oder ein Marathonläufer war ich nie, aber es gab immer Sport, oder sagen wir mal wenigstens Bewegung  in meinem Leben: Schwimmen, Joggen, Wandern, bisschen Yoga, bisschen dies und bisschen das. Das alljährliche Besteigen der Zugspitze wurde aber letztes Jahr zu einem Kampf, ich war einfach zu unfit. Ich merkte langsam: Mädel, du musst was tun. Es schlug langsam ins andere Extrem aus und ich wurde träge wie ein Walross . Immerhin traf ich eine Entscheidung.

Es wird sich was ändern. Ich beginne wieder, Sport zu machen, aktiver zu sein. Yep!

Uuups. Mist. Die Umsetzung war nicht so einfach wie gedacht. Zu sehr hat mein Kopf sich dagegen gewehrt, zu sehr kamen die Verknüpfungen wieder hoch, dass Leistung schlecht für mich ist, dass der nächste Burnout kommt. Mein Geist war nur noch auf Relax programmiert. Es hat sich so angefühlt, als ob ich Dinge wie Disziplin, Willensstärke oder Ausdauer komplett verlernt hätte. Einmal habe ich  meine Sportklamotten angezogen, fuhr zu dem Waldstück, wo ich zu meinen sportlichsten Zeiten knappe 10 km durch den Wald gelaufen  bin und stieg entschlossen aus. Und was war? Nach 50 Metern drehte ich um und fuhr heulend nach Hause. ES GING NICHT! Mein Kopf boykottierte mich. Es fühlte sich an, als ob ich während dieser paar Meter um mein Leben kämpfen müsste. Als ob eine alte, rostige, schlecht gewartete Maschine wieder zum Laufen gebracht werden sollte. Ich zitterte. Ich bekam keine Luft, meine Beine fühlten sich so seltsam unkoordiniert und schwer an!

Ich probierte es nur dieses eine Mal. Und versuchte, das erlebte Gefühl der absoluten Niederlage zu verdrängen. Nicht darüber nachdenken! Weil ich es nicht benennen konnte und weil es mir Angst machte. Ich feierte lieber weiter Parties, wurde immer dicker, und immer träger.

 

Und dann kam der berühmte Tag, an dem ich realisierte, dass es alles Humbug ist. Dass das so nicht weiter gehen kann. Dass ich diese Härte im Kopf wieder zulassen muss und will. Ich hatte sofort das Bild von schmerzverzerrtem Gesicht beim Sport im Kopf. Intuitiv hat mein Körper für mich entschieden. Ja, ich versuche es mit Sport! Ich hätte ja auch zum Therapeuten rennen , oder Pillen schlucken können. Ich entschied mich aber anders.

 

Der Plan stand fest: ich gebe mir 12 Wochen, um mich wieder fit zu fühlen. die #VOM BURNOUT IN DEN BIKINI CHALLENGE war geboren. Am Ende der 12 Wochen gibt es ein Shooting und ich will im mit meinem neuen Körper fotografiert werden. Das habe ich mir vorgenommen. Das ist das Ziel.

Bikinibody steht für mich für WOHLFÜHLBODY. Den wollte ich wieder haben.

 

 Ich suchte mir einen Personal Trainer . Und habe auch einen gefunden. Ich kannte ihn vorher nicht, aber was soll ich dir sagen: der Zufall ist der beste Wegweiser: Christian Daser ist der beste PT unter der Sonne. Er hat sofort verstanden, was ich vor habe, ich fühle mich so gut aufgehoben bei ihm. Er ist einfühlsam, behutsam und dann wieder fordernd und hart. Er quält mich dann, wenn ich noch kann und wenn ich erledigt am Boden liege, bringt er mir meine Wasserflasche und hilft mir wieder hoch. Aber vorher macht er noch ein Foto von mir, der After-Sport-Leiche...wir brauchen ja authentische Bilder für Instagram, oder? :-) 

 

Christian setzte mich auf ketogene Diät. Sprich kaum Kohlenhydrate. Empört! Ich war so was von empört! und den Tränen nahe. Total fertig mit den Nerven. Erledigt und schlecht gelaunt. Aaaaaber-was rege ich mich eigentlich so auf? Mittlerweile habe ich es lieben gelernt. Es tut mir gut. Basta.

Wir trainieren einmal in der Woche gemeinsam und zwei weitere Trainingseinheiten ziehe ich  alleine durch, ohne Christian.

Ich habe oft Muskelkater. Und bin ein paar Mal morgens um viertel vor fünf nicht aus dem Bett gekommen. Ich kämpfe gegen den Schweinehund und gegen die Gewichte. Da ich ja anfangs keine Ahnung habe, wie man mit den Geräten trainiert, frage ich die großen, breiten  Jungs im Studio. Und stelle fest, dass sie soooo nett sind. Und hilfsbereit. Und sie loben mich, weil sich sonst nicht so viele Frauen in dieses Haifischbecken trauen.  Manchmal habe ich Nasenbluten und  oft schlechte Laune, weil ich meine Freunde nicht mehr treffe. Also ich könnte, aber die sind halt eher aus der lustigen Abteilung. Das verträgt sich mit meinem Liter stilles Wasser mit Zitrone, welches ich neuerdings immer bestelle eher schlecht.

Aber egal, aufgeben will ich kein einziges Mal. Ich habe ja eine Verantwortung für unser Projekt. Ich kann ja meinen Trainer  nicht alleine auf der Trainingsfläche stehen lassen! Boah, wird er stolz sein, wenn er das liest!

 

Und so gebe ich Gas. Woche für Woche. Trainingseinheit für Trainingseinheit. Irgendwie finde ich mich selbst total klasse dabei! So selbstbestimmt und stark. Und so geht es also weiter... und ich schwitze, trainiere , koche, schlafe, drehe und schneide Videos. Bleibe fokussiert. Tag für Tag. Und verliere nie das Ziel aus den Augen. Ich mache es für mich. Für meinen Körper. Meinen Kopf. Und mein Herz. Damit es wieder tanzen kann.

 

 

 

 












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